Wie machen wir aus dem „new normal“ ein „better normal“?

„new normal“ oder „neue Normalität“ ist prinzipiell kein neuartiger Begriff, jedoch hat er seit Ausbruch der Corona-Pandemie über die Medien einen zentralen Stellenwert in unserem täglichen Leben eingenommen. Definiert wird „new normal“ als der gegenwärtige Zustand, nachdem eine dramatische Veränderung eingetreten ist.

Das COVID-19 Virus hat weltweit zu einschneidenden Veränderungen in all unseren Lebensbereichen geführt. Wir sind nun aufgerufen, uns auf diese neue Wirklichkeit einzustellen, d. h. auf eine neue Art zu leben und unsere Arbeit sowie unseren Umgang mit anderen Menschen zu meistern.

Wie wir zu unserem „wellbeing“ finden können

Wie jede*r von uns sein optimales Leben („best possible life“) definiert, ist sehr persönlich. Sehr individuell sind dann auch die Fragen, die wir uns über die Maßnahmen stellen, die jede*r von uns ergreifen kann, um für sich und andere ein „better normal“ zu erreichen.

Eine mögliche Antwort bietet Gallup [1] mit seinem qualitativen Ansatz von „wellbeing“ (dt. Wohlbefinden/Wohlergehen). Ein hohes Maß an wellbeing wird mit einem zufriedenen und erfolgreichen Leben („thriving“) beschrieben und beinhaltet all die Dinge, die für jede*n von uns wichtig sind, was wir über das Leben denken und wie wir es erleben. Wellbeing umfasst fünf Elemente, die miteinander verbunden sind und voneinander abhängen.

  • Karriere: Du hast Spaß an dem, was du jeden Tag tust.
  • Soziales Umfeld: Du hast vertrauensvolle Verbindungen in deinem Leben (Familie, Freund*innen, Kolleg*innen).
  • Finanzen: Du verfügst über genug finanzielle Mittel, die dir Sicherheit und Stabilität bieten.
  • Gesundheit: Du bist in guter (körperlicher, mentaler) Verfassung, um den täglichen Herausforderungen zu begegnen.
  • Umgebung: Du fühlst dich in der Gegend, in der du lebst, sicher und erlebst ein Zusammengehörigkeitsgefühl in einer Gemeinschaft.

Die Bedeutung des Arbeitsplatzes für das persönliche Wohlbefinden

Berufliche und private Zufriedenheit beeinflussen einander, d.h. muss ich in einem oder mehr der fünf Elemente kämpfen („struggling“) oder leide („suffering“) ich gar einen Mangel, so hat das auch negative Auswirkungen auf alle anderen Elemente. Die individuelle Einschätzung unterliegt einer sehr subjektiven Bewertung. Um den Handlungsbedarf zu identifizieren, ist es sinnvoll eine Momentaufnahme und eine Einschätzung in weiteren fünf Jahren für jedes Element zu machen.

So wie der Aktienkurs ein Indikator für aktuelle und künftige Gewinne ist, so ist auch die Netto-Zufriedenheit („net thriving“) ein Indikator für die aktuelle und künftige Belastbarkeit der einzelnen Person und folglich auch der Belegschaft in einem Unternehmen.

Während die Nachrichten über den Verlauf der Corona-Pandemie die Stimmung in der Welt weiterhin gedrückt halten, hat Gallup in einer Umfrage eindeutig herausgefunden, dass der Arbeitsplatz der Ort ist, um mit der Umkehrung der Stimmung zu beginnen. Das Engagement am Arbeitsplatz fördert nicht nur die Leistung, sondern auch das persönliche Wohlbefinden. [2]

Was wir aus der Corona-Zeit mitnehmen

Eine Online-Umfrage [3] gab einen ersten Einblick darüber, wie jede*r sein eigenes wellbeing beeinflusst und das wellbeing der anderen beeinflussen kann.

Abb.: Fragen zu den Elementen Karriere, Soziales Umfeld, Gesundheit, Umgebung

 

Die Menschen wollen einen Job, bei dem sie jeden Tag ihre Talente und Stärken einsetzen können, mit einer Führungskraft, die sie ermutigt und dabei unterstützt.

Als Ergebnis aus dem Lockdown in der Corona-Zeit, hat sich die Flexibilität zwischen HomeOffice und Office ergeben. Diese Abwechslung boostet auch die Freude Kolleg*innen wieder zu treffen, was das soziale Umfeld aller Einzelnen positiv beeinflusst. Gemeinsame Aktivitäten und Teambuilding-Maßnahmen tragen zum allgemeinen wie auch individuellen Wohlbefinden bei. Die Zeit mit Freund*innen erhielt eine neue Qualität, indem die Zeit miteinander bewusster verbracht wird.

Aufgrund der Einschränkungen während des Lockdowns wurde es einerseits zunehmend schwieriger abzuschalten und sich zu erholen, andererseits sind im Rahmen der Möglichkeiten neue Energiequellen gefunden, die teilweise auch beibehalten werden wollen.

Das Zusammengehörigkeitsgefühl in der Gemeinschaft wird sehr polarisierend wahrgenommen. Auf der einen Seite wird erzählt, die Menschen „zeigen nun ihr wahres Gesicht“ und auf der anderen Seite wird aktiv versucht zu unterstützen.

Der entscheidende Treiber zum „better normal“

Es zeigt sich, dass jeder Netto-Zufriedenheit erreichen kann, ohne extreme Maßnahmen zu ergreifen oder die eigene Persönlichkeit grundlegend zu verändern.

In meinem stärkenorientierten Coaching ermutige ich meine Coachees/Klient*innen stets zu überlegen, welche Bedürfnisse hinter ihren Fähigkeiten liegen und was sie mit der Befriedigung dieser Bedürfnisse auch als Beitrag für andere erreichen können.

Der Wunsch diesen Beitrag zu leisten ist hier der entscheidende Treiber, um aus dem „new normal“ ein „better normal“ zu erreichen.

Carola Koreuber, Certified Strengths Coach

 

[1] Buch: Wellbeing @work – how to build resilient and thriving teams:  Jim Clifton, Jim Harter Gallup Press. 2021
[2] Gallup Q12® Meta-Analyse 2020: 456 Studien in über 276 Organisationen in 54 Industrien, mit 2.7 Millionen Beschäftigten in 96 Ländern
[3] Instagram: Gezielte Umfrage zu den Elementen „Karriere“, „Soziales Umfeld“, „Gesundheit“ über einen Zeitraum von drei Wochen

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